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d) Der Weg
Nach dem Hitler-Stalin-Pakt und der Besetzung Bessarabiens durch die Sowjetarmee kam der Aufruf zur Umsiedlung ins Reich. Deutschland organisierte den Umzug von über 90.000 Bessarabiendeutschen in einem extrem kurzen Zeitraum. Bestandteil des Paktes war es, dass Gemeinschaftsgüter nicht ausgeführt werden durften. Am 29. September 1940 wird die St. Josef Kirche zum Profanbau. Pfarrer Schumacher, zu dieser Zeit für die Gemeinde Krasna zuständig, versuchte wenigstens die beweglichen Teile auf Familien im Dorf zu verteilen. Diese sollten in der neuen Heimat den Anfang erleichtern, das Andenken an Bessarabien wach halten und die Gemeinschaft stärken. Das Kreuz wurde Eduard Riehl anvertraut, der es als privates Eigentum ausgab und so versuchte, das Kreuz dem Zugriff der sowjetischen Behörden zu entziehen. Die sowjetischen Beamten identifizierten jedoch das Kreuz als Eigentum der Kirche und somit vertraglich nicht ausführbaren Gegenstand. Max Riehl, Sohn von Eduard Riehl schildert: Bis zum Donauhafen Kilia gab es keine Zwischenfälle. Bei der Gepäckkontrolle vor der Einschiffung, haben sich deutsche und sowjetische Beamte gegenseitig so angeschrieen, dass es für uns Kinder fast unerträglich wurde und alle weinten. Schließlich packte ein sowjetischer Beamter fluchend das Kreuz und hat es mit voller Wucht auf die Erde geschmissen." Das führte auch zu den ersten erheblichen Beschädigungen. Von Vorteil dürfte gewesen sein, dass das Kruzifix materiell keinen großen Wert darstellte und durchaus Bestandteil eines privaten Hausaltars sein konnte. Davon versuchte man die Sowjets zu überzeugen. Dies war sehr schwierig. Letztendlich ist so ein Wortgefecht auch Ausdruck von Stärke und Überlegenheit. Eine Blöße wollte sich ein Beamter der Sowjetregierung natürlich nicht ohne weiteres geben. Wieder sicher verwart, nahm das Kreuz seinen Weg mit dem Schiff und der Eisenbahn in Richtung Deutschland auf. Nach den Einbürgerungsmodalitäten warteten die Krasnaer auf die Ansiedlung in Westpreußen. Hier waren allerdings die Kirchen geschlossen. Die Gemeinschaft der Krasnaer Siedler war weitestgehend auseinander gerissen. Sogar Familien wurden an unterschiedlichen Orten angesiedelt. Das Kreuz, Zeichen der Dorfgemeinschaft in Bessarabien fand somit keine Heimat in dieser unruhigen Zeit. Eduard Riehl verlor 1942 seine Frau. Zur Totenmesse am 13. März kam das Kruzifix für kurze Zeit ans Tageslicht und begleitete auch eine anschließende Taufe, trotz der Beschädigungen, mit Würde. Wenig später ...im Januar 1945 auf der Flucht in Knüppeldamm in Mecklenburg, beim Einmarsch der Roten-Armee durchwühlten und plünderten die Soldaten die Sachen, die auf dem Wagen schon zur Flucht verladen waren und beschädigten das Kreuz noch mehr." schildert Max Riehl die nachfolgenden Ereignisse. Sie hatten allerdings kein Interesse an dem wertlosen und inzwischen demolierten Stück. So verblieb es weiter in der Obhut der Familie Riehl. Schließlich ist die Familie nach 10 Jahren Wanderung in Kobern sesshaft geworden und übergab das Kruzifix der katholischen Gemeindekirche St. Lubentius.
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